Ein roter Teppich für die Piazza Grande
Der mittelalterliche Kern von Locarno entstand am Fuss des Berges und verlief in geschwungener Linie bis zum See und zum Castello Visconteo mit seinem eigenen Hafen. Im Lauf der Zeit verschob das von der Maggia angeschwemmte Material das Delta und veränderte die Beziehung zwischen Altstadt und Wasser. Die Trockenlegung des 19. Jahrhunderts nach dem Piano Rusca beseitigte den alten Hafen und legte ein neues Quartier in orthogonalem Raster an, das mit den Giardini Rusca endete. Erst mit dem Bau der Sopracenerina und des Postgebäudes entstand die Piazza Grande in ihrer heutigen Form – als Zwischenraum zwischen zwei städtischen Ordnungen und zwei Epochen. Während die Altstadt mit ihrer geschwungenen Portikuslinie eine klare räumliche Grenze besitzt, endet das Raster des Piano Rusca mit den Gärten und dem Park zwischen Largo Zorzi und Via Ciseri. Das Projekt schlägt ein rechteckiges Element vor, das den Piano Rusca zur alten, geschwungenen Uferlinie hin abschliesst. Dieser „rote Teppich“ in Form eines Boulevards legt sich über das Pflaster des ehemaligen Ufers und markiert klar die Grenze zwischen den beiden städtischen Typologien. Zugleich bildet er den Sockel für das Postgebäude und die Sopracenerina und nimmt ein lineares Rückgrat mit den Pflanzbeeten der Giardini Rusca, einen Pavillon vor dem Theater, ein Brunnenobjekt und die Zugänge zur Tiefgarage auf. Der Raum zwischen dem historischen Portikus und dem neuen Element wird so zu einer räumlichen Einheit – vom See bis zur Piazza Grande, deren Kieseloberfläche an das ursprüngliche Ufer erinnert. Das Projekt sucht eine zusammenhängende räumliche Ausdehnung der Piazza Grande bis zum Debarcadero. Mit F. Buzzi





